Die unendliche Fortsetzungsgeschichte…

Kapitel 1 - Glasblümchen

Kapitel 2 - Bettina Grahm (Tigra)

Kapitel 3 - Gesina Reh

Es war einmal ein kleiner grüner Drache. Sein Name war N. Gold – Nepomuk Gold. Er lebte in einer Höhle in der Nähe der Burg Altentenstein.

Jeden Morgen, nachdem er sich gewaschen, den Rücken geschrubbt und die Zähne geputzt hatte, lugte der Drache zum Fenster der Burg und hielt Ausschau, ob Prinzessin K. Töffelchen schon am Fenster stand. Nepomuk war sehr verliebt in Prinzessin Katharina. Sie hatte die wunderschönsten drachengrünen Augen, die er je gesehen hatte…

Nepomuk hörte das ferne Traben eines Pferdes. Der blöde Prinz N. Rolle ritt bedächtig auf seinem Ross Pferdinand den Hügel hinauf.

*Pffft* schnaubte der Drache Nepomuk – und kleine Dampfwolken traten dabei aus seinen Nüstern. Der schon wieder… Nepomuk mochte diesen Prinzen nicht.

Nepomuk blickte zur Burg. Prinzessin Katharinas wundervolles rotes glänzendes Haar war heute zu einem dicken festen Zopf geflochten und sie winkte Nepomuk fröhlich zu. Nepomuk lächelte. *Ploff* – eine kleine Dampfwolke in Form eines Herzen glitt aus seinen Nüstern und schwebte zu Katharina…

Prinz N. Rolles Mine verzog sich zornig. Heute wollte er bei König S. Berger-Klops um Prinzessin K. Töffelchens Hand anhalten. Auch wenn die Prinzessin den Drachen liebte – Prinz N. Rolle war das egal. Schließlich wollte er nur die Mitgift der Prinzessin. Und im Falle einer Scheidung würde er die Hälfte der Burg bekommen. Die Prinzessin würde dann zwar auch die Hälfte seines treuen Pferdes Pferdinand erhalten, aber solange er das Hinterteil mit dem fetten Schinken bekam, war ihm das nur recht.

Die Zugbrücke öffnete sich und Pferdinand und Prinz N. Rolle ritten zügig über das schwere dunkle, vom Alter ausgebleichte Eichenholz. Prinz N. Rolle stieg ab, verbeugte sich ungeschickt vor König S. Berger-Klops, der mittlerweile herangeeilt war, und tat sein Anliegen kund. „Nun gut“, sagte der König nachdenklich, „da Prinzessin Katharina den Drachen Nepomuk nicht ehelichen kann, sollst Du sie haben, Prinz Norbert“.

Als Katharina das hörte, weinte sie bitterlich. Sie weinte so lange, bis der Burggraben sich langsam füllte, schließlich überschwappte und die Tränen Nepomuks Höhle erreichten.

Nepomuk, der gerade vom Pilzesammeln im Wald zurückkam, schlurfte mit hängenden Flügeln durch die glänzenden Pfützen. An einem seiner Arme hing ein Korb, gefüllt mit den prächtigsten buntesten Pilzen, die je ein Menschenauge erblickt hatte. Der Appetit war ihm mittlerweile sowieso vergangen.

Plötzlich hatte Nepomuk eine Idee… (Autorin: Annette Tessin)

Diese wunderschöne Fortsetzung wurde verfasst von Bettina Grahm (Tigra :o):

…er erinnerte sich, wie so oft in schweren Zeiten, an eine liebe alte Freundin, die ihm noch immer mit Rat und Tat zur Seite gestanden hatte, wenn Not am Drachen war.

Diese Freundin lebte tief im Wald, weit hinter der Drachenhöhle, an einem Ort, wo es immer warm und feucht war, denn die Abwärme des Drachenfeuers zog direkt an dieser Stelle vorbei. Nepomuk wandte sich noch einmal zur Burg, die unnahbar und trutzig auf ihrem Hügel thronte, sandte seiner geliebten Prinzessin einen traurigen Blick und dachte: halt’ durch, Liebste, ich werde dich retten! Sein Drachenherz schmerzte bei der Vorstellung, wie Töffelchen – so nannte er sie liebevoll – gezwungen wurde, einen ungeliebten Anderen zu heiraten, einen Menschenmann gar! Haarig und mit nur zwei Beinen und ohne jegliches Feuer, ganz zu schweigen vom wunderschönen Glanz, in dem das Schuppenkleid eines Drachen schimmert.

Drachenherzen sind groß – sie haben Platz für sehr viel Liebe, aber auch für unendlichen Schmerz.

Nepomuk warf einen letzten Blick auf die Burg, vergoss eine Drachenträne (die im Dorf für eine Überschwemmung sorgte) und riss sich schließlich los.

Dann machte er sich auf den Weg in den Wald, vorbei an dem Eingang zu seiner Höhle, vorbei an der Abzweigung zur Burg und vorbei an der Stelle mit dem Felsvorsprung, wo immer die dämlichen Ritter angeberisch vorbeiritten, die sich als Drachentöter ausgaben und doch nur Drachenfutter waren.

Das Pilzkörbchen an seinem Arm hatte er ganz vergessen. Auf seinem hastigen Weg zur Wohnung seiner Freundin verlor er dann und wann einen der mühsam gesammelten Pilze – wie eine bunte Spur zogen sie sich durch den Wald. Der Drache bemerkte das nicht und es hätte ihn in seiner Eile auch nicht gekümmert.

Das letzte Wegstück war mühsam, viel zu eng für einen stattlichen Drachen. Nepomuk musste auf dem Bauch robben und sich sehr lang und dünn machen, aber schließlich erreichte er sein Ziel: einen Froschtümpel, erwärmt von seinem eigenen Feuer und von der Sonne, die durch die Bäume schimmerte und den Teich zum glitzern brachte. Rosa und weiße Seerosen bedeckten fast die gesamte Wasserfläche, ein paar Vögel zwitscherten, sonst war es still und alles wirkte verlassen.

Der Drache war der Verzweiflung nahe! Wo war sie bloß, seine Freundin, die er so dringend brauchte? Sie war sonst immer hier, sonnte sich auf einem Seerosenblatt oder unterhielt sich mit allem, was nicht bei drei auf den Bäumen war. Wo konnte sie nur sein?

Da, plötzlich, kräuselte sich die Wasseroberfläche und etwas Seltsames tauchte auf. Es war nur für einen Moment zu sehen, aber es sah aus wie .. .nun, es war silbergrau und dreieckig und sah aus wie eine Haifischflosse. Oh Mann, dachte Nepomuk, die Tränen haben mir wohl die Sicht getrübt, das kann ja wohl nicht wahr sein! Und in diesem Moment tauchte seine Freundin, der kleine grüne Frosch mit den niedlichen roten Pfötchen aus den Tiefen auf und setzte sich auf das übliche Seerosenblatt, als sei gar nichts Ungewöhnliches vorgefallen. Und das stimmte ja wahrscheinlich auch.

„Nepomuk!“ sagte der Frosch, „wie schön, dich zu sehen! Aber was ist los, du siehst irgendwie so traurig aus?“

„Ach Tigra,“ seufzte Nepomuk, denn so hieß der Frosch, und niemand im Wald wusste, wie ein Frosch zu so einem seltsamen Namen kam, „ich weiß mir nicht mehr zu helfen. Meine Liebste soll einen MENSCHEN heiraten, den sie nicht liebt und sie kann sich nicht wehren. Wenn ich versuche, sie zu befreien, wird der Bräutigam mich töten. Hast du vielleicht eine Idee?“

„Oh,“ sprach Tigra, „die selbe alte Geschichte, nicht? Es ist doch immer das Gleiche… aber ich glaube, ich kann dir helfen. Von diesem Prinz da hab ich schon gehört. Mir scheint, es ist nicht alles Prinz, was prahlt. Ich werde da mal meine Aufwartung machen, schätze ich. Kannst du mich fliegen?“

Das war eine der leichtesten Übungen für Nepomuk. Der Frosch hatte lässig auf einer seiner immer leicht angesengten Augenbrauen Platz, von wo aus die Aussicht phantastisch war. Sie flogen im Nu zurück über den Wald bis zur Burg, wo Nepomuk kurz in den Tiefflug ging, um Tigra auf dem obersten Ende der Fahnenstange am höchsten Bergfried abhüpfen zu lassen. Dann konnte er einstweilen nichts weiter tun, als hinunter zum Wald zu gleiten und seine Pilze wieder einzusammeln…

Tigra unterdessen hüpfte all die vielen Stufen des Bergfrieds mühelos hinab, weiter über den Burghof und direkt in das Gemach des Prinzen N. Rolle. Dort stand auf einer alten Kommode mit einem fleckigen Spiegelaufsatz eine Waschgarnitur. Die Waschschüssel war offenbar frisch gefüllt mit klarem, sauberem Quellwasser und Tigra sprang direkt hinein. Sicher würde der Prinz bald kommen, um sich für das abendliche Gelage und womöglich seine Verlobungsfeier zurecht zu machen. Und richtig, alsbald öffnete sich die Tür und herein stolzierte ein wichtigtuerischer Prinz mit stolzgeschwellter Brust, der sich über seine wahre Bestimmung offenbar ganz und gar nicht im Klaren war.

Er warf im Gehen seine Kleidungsstücke eines nach dem anderen ab. Er schien auf der Jagd gewesen zu sein und hatte eine Wäsche wahrlich nötig. Tigra beobachtete den Strip aus ihrem Becken und dachte sich, nun ja, es hätte die Prinzessin wohl schlimmer treffen können. Hoffentlich behält er seine Vorzüge nachher…

Prinz Norbert näherte sich der Waschschüssel und betrachtete sich derweil beifällig in dem fleckigen Spiegel. Der Anblick des Frosches ließ ihn aufkreischend zurückfahren.

Tigra seufzte. Diese Prinzen heutzutage konnten auch gar nichts mehr ab! Um Norbert zu beruhigen, sprach sie ihn an, was nur dazu führte, dass er panisch aufs Bett sprang und hysterisch kiekste.

Frösche, noch dazu sprechende, überforderten ihn offenbar.

Da half nur Ruhe und Geduld… und tatsächlich, nach einigen Minuten näherte sich der Prinz erneut der Schüssel. Tigra wartete, bis er nahe genug war, um ein leises Flüstern verstehen zu können.

„Prinz Norbert“, hauchte sie, „hört mich an, ich habe Euch etwas Wichtiges zu sagen!“ Der Prinz hielt inne und beugte sich tiefer zu ihr. Er schien in der Tat zuzuhören. „Diese Prinzessin, die Ihr heiraten wollt… sie ist nicht gut für Euch! Ihr habt viel Besseres verdient! Ich weiß eine Prinzessin für Euch, die soviel mehr zu bieten hat.“

„Was?“ sagte der Prinz, „wen meint Ihr? Wo ist sie? Ich dachte auch schon, dass diese hier hinter meinen Erwartungen zurückbleibt. Aber das Schloss ist ganz nett, nicht? Nun sag schon, Frosch, wo ist sie und was muss ich tun?“

„Ich werde Euch das Geheimnis verraten, Prinz, aber der Preis ist ein Kuss. Einmal nur möchte ich von einem echten Prinzen geküsst werden, davon träume ich schon mein Leben lang!“

Der Prinz beäugte den Frosch misstrauisch. Die Sache schien ihm nicht geheuer. Aber andererseits – dieser Frosch war winzig und bei genauerem Hinsehen nicht wirklich unattraktiv mit seinen langen, schlanken Schenkelchen. Was also sollte passieren?

Norbert nahm das Fröschlein in die Hand und bot ihm die Lippen zum Kuss. Nanosekunden später drehte sich die Welt in die falsche Richtung, sein Herz klopfte, als wollte es geradewegs aus seiner Brust hüpfen und seine Beine… seine Beine zuckten und wollten auch hüpfen. Außerdem waren sie grün. Und er hatte vier davon. Ein kurzer Blick in den Spiegel zeigte zwei Frösche…

Die nächste Fortsetzung stammt von Gesina Reh:

… „Ähh. Hmm. Also. Wieso?“

„Jetzt mal ganz langsam und durchatmen, mein Hübscher!“Tigra war mehr als zufrieden, als sie ihren Froschprinzen Norbert betrachtete.

„Wieso bin ich denn jetzt ein Frosch?“

„Du sollst doch deiner neuen Braut gefallen.“

„Wie kommst du darauf, dass ich einen Frosch ehelichen möchte?“

„Du wolltest eine bessere Partie, ich werde sie dir beschaffen. Außerdem hast du keine weiteren Bedingungen an deine Braut gestellt.“
Tigras Augen glitzerten amüsiert.

„Ich will aber kein Frosch sein.“ Norbert saht Tigra trotzig an.
„Dann verwandel mich wieder zurück!“

„Tut mir leid, aber das steht nicht in meiner Macht.“

Wenn Blicke töten könnten…

„Dann lass ich mich eben von der Prinzessin küssen und werde meinen wundervollen Körper wiederhaben!“

„Erstens: Dafür müsstest du ein Froschkönig sein und kein Froschprinz! Zweitens: Das war ein MÄRCHEN! Sag mal wo lebst du eigentlich?“ Tigra war über die Naivität des Prinzen leicht entrüstet. „Ich würde dir vorschlagen, dass du sie erstmal kennenlernst bevor du so einer tollen Frau einen Korb gibst. Es gibt Frösche, die würden morden, um sie nur einmal treffen zu dürfen.“

„Aber ich bin kein Frosch!“

„Jetzt schon, da ist nichts zu machen mein Lieber. Es gibt nur eine Möglichkeit. Es ist sehr riskant, gefährlich und es kann sein, dass du es nicht überlebst.“

„Besser zu sterben, als sein Leben als Frosch zu verbringen.“

„O.K., ganz wie du willst. Geh tief in den Wald. Suche den Holzweg, der dich zum äußeren östlichen Rand des Waldes führt. Dort gibt es einen Teich mit einem Wasserfall. Hinter diesem Wasserfall wächst ein ganz besonderer Pilz; er ist schwarz mit violetten Tupfen.
Bring ihn mir. Ich werde ihn zubereiten. Ich stelle dich der Froschkönigin vor, und du nimmst das Gericht zu dir. Gib der Königin einen Kuss. Wenn sie nicht deine wahre Liebe ist, wirst du wieder zum Menschen.“

„Ich werde mich sofort auf den Weg machen!“ Etwas unbeholfen hüpfte Prinz Norbert Richtung Wald.

Nepomuks Pilze waren schnell eingesammelt und in seiner Höhle verstaut worden. Nun saß er in der Sonne und wartete auf seine Freundin.

Endlich hüpfte sie bester Laune auf ihn zu.

„Der Prinz wird so schnell nicht auftauchen, mein Freund. Jetzt sollten wir uns was für Dich überlegen. Wie bekommen wir den König dazu, dass du seine Tochter heiraten darfst?“ …