|
|
|
|
|
|
Was Du schon immer über Glasperlen wissen wolltest…Glasperlen – gehen die denn nicht schnell kaputt? Kann ich sie in die Spülmaschine stecken? Machst Du mir einen Frosch oder Drachen als Schlüsselanhänger? Handyanhänger – geht der denn nicht kaputt? Taschenbaumler – warum machst Du keine? Becher/Gläschen – kann man sie benutzen? Passen die Sammelperlen auch auf mein Original-Pandoraarmband? Ich bin allergisch gegen Nickel, und nun? Was mache ich, wenn mir meine Perle kaputtgegangen ist? Du machst Perlen selber? Wie funktioniert denn das? Ich will das auch können, kann man das lernen? Bei Dir?
Glasperlen – gehen die denn nicht schnell kaputt?Wenn Glas erhitzt und wieder abgekühlt wird, entstehen innere Spannungen im Glas. Manchmal ist das so gewollt, zum Beispiel bei Sicherheitsglas (z. B. für Duschkabinen). Glas muss deshalb ganz ganz langsam abgekühlt und eine bestimmte Temperatur über eine gewisse Zeit gehalten werden, dann verschwinden diese Spannungen. Meine Perlen stecke ich sofort nach der Herstellung noch glühend heiß in einen Ofen. Dort werden sie ganz langsam – über 8 - 10 Stunden von 520 °C auf Raumtemperatur abgekühlt. Perlen aus dem Ofen sind deshalb in der Regel besonders stabil und gehen nicht gleich zu Bruch, wenn sie mal herunterfallen. Perlen, die nicht im Ofen waren, können eines Tages einfach so zerbrochen im Schmuckkästchen liegen, ganz ohne Zutun. Das liegt an den oben erwähnten Spannungen. Dies kann auch noch nach Jahren passieren. Muss nicht, aber kann. Wenn Sie irgendwo Glasperlen kaufen, fragen Sie doch am besten vorher, ob diese „im Ofen getempert“ wurden. Nicht jeder Perlenmacher hat einen Ofen, die sind nämlich leider ziemlich teuer *seufz*. Kann ich sie in die Spülmaschine stecken?Theoretisch ja, allerdings sind es wertvolle Unikate und man würde ja auch nicht auf die Idee kommen, seine Diamanten in die Spülmaschine zu stecken ;o) – wieso dann Glasperlen? Wenn man die Perlen unter fließendem Wasser mit etwas Seife abwaschen möchte, kann man das gerne tun. Machst Du mir einen Frosch oder Drachen als Schlüsselanhänger?Nein! Alsoooo ;o). Wie oft kommt es vor, dass man einen richtig dicken Schlüsselbund hat und der dann auch noch herunterfällt? – Genau, ziemlich oft. Deshalb würde ich keine Glasfiguren als Schlüsselanhänger benutzen. Wie schnell ist dann wohl so ein kleines Krönchen oder Öhrchen abgebrochen… Wenn ich Schlüsselanhänger mache, dann nur kompakte (runde) Formen oder Herzen, ohne was Abstehendes. Man kann schöne bunte Perlen machen, auch ohne Frosch, Drache oder Katze dran :o). Ich werde sehr oft danach gefragt. Wenn ich jetzt nur aufs Finanzielle schauen würde, würde ich das natürlich machen und mir die Hände reiben… Ich möchte aber zufriedene Kunden haben, die auch gerne wieder kommen, und ich möchte meine Perlen mit gutem Gewissen verkaufen, das ist mir wichtiger. Außerdem möchte ich nicht, dass meine mit viel Liebe hergestellten „Kreaturen des Feuers“ unnütz zerstört werden ;o)… – in jedem einzelnen steckt so viel Herzblut. Deshalb sage ich ganz ehrlich: bei mir gibt es keine Tiere am Schlüsselbund. Handyanhänger – geht der denn nicht kaputt?Meistens wirft man sein Handy ja nicht runter ;o). Wir haben selber Handyanhänger (Glasfiguren) an unseren Handys und die sind alle noch heile. Mein Mann hat seines in der Jacken- oder Hosentasche, ich meines in der Handtasche (und ihr wisst ja, wie es in einer Damen-Handtasche so zugeht ;o). Also ich hab sie auf Herz und Nieren geprüft und kann nichts Gegenteiliges sagen. Taschenbaumler – warum machst Du keine?Taschenbaumler sind grade der letzte Schrei ;o)… aber ich mache keine, dies hat auch einen ganz einfachen Grund. Wenn man einen Taschenbaumler an die Tasche macht, dann schwingt er hin und her. Ständig… immer klötert man irgendwo dagegen. Ich möchte keine weinenden Kundinnen sehen, wenn die Perlen deshalb dann früher oder später kaputt sind. Das ist alles ;o). Becher/Gläschen – kann man sie benutzen?Aber ja ;o). Aus diesem Grund sind die ja entstanden *gell, Petra?*. Allerdings sind es Sammlerobjekte und für nicht Kinder zum Spielen gedacht. Sagt ja vermutlich schon der Preis ;o). Und wer seinen in die Spülmaschine tut – dafür übernehme ich dann keine Garantie. Passen die Sammelperlen auch auf mein Original-Pandoraarmband?Ja. Es gibt ja mittlerweile verschiedene Systeme. Wo das Perlenloch am größten sein muss, damit man die Perle auffädeln kann, das sind Pandoraarmbänder. Alle meine Sammelperlen passen da drauf. Sie passen auch auf alle anderen Sammelarmbänder wie Trollbeads, No names usw. In meine Sammelperlen sind übrigens immer 925er Sterlingsilberhülsen eingeklebt. Man kommt damit zwar nicht in Berührung (Haut), aber ein bisschen Luxus muss ja sein ;o). Finger weg von Perlen ohne Hülsen. Die Perlenkanäle sind meistens sehr rau und können das Armband zerkratzen. Ich bin allergisch gegen Nickel, und nun?Zum Auffädeln meiner Ketten benutze ich speziellen nylonummantelten Juwelierdraht. Die Verschlüsse sind immer aus 925er Sterlingsilber, ebenso die Quetschperlen. Was mit der Haut in Berührung kommt, ist bei mir also immer nickelfrei. Die meisten Zwischenperlen, die ich beim Fädeln benutze, sind auch aus Sterlingsilber. Silber kann anlaufen. Man kann es mit einem handelsüblichen Silberreiniger wieder polieren. Was mache ich, wenn mir meine Perle kaputtgegangen ist?Na, ist doch ganz einfach, schick sie mir. Wenn irgendetwas kaputt geht, dann versuche ich, es zu reparieren (geht oft, Ofen sei Dank) oder fertige eine neue Perle an. Meistens mach ich das kostenlos – für mich gehört das zum Service dazu. Ich selber wäre traurig, wenn ich sooooo was Schönes ;o) *hihi* hätte und es mir dann kaputt gehen würde. Und ich würde dann vielleicht das Vertrauen in den Werkstoff Glas verlieren. Dass das meinen Kunden so geht, mag ich nicht. Ich möchte, dass meine Kunden gerne wieder zu mir kommen und dass sie wissen, dass bei mir Qualität und Service an oberster Stelle stehen. Ist Perlen machen gefährlich?Ja. Also… das ist so… Das Glas muss ständig im Feuer sein, es darf nicht zu stark abkühlen, denn wenn man mit zu kühlem Glas in die Flamme geht, fliegen glühend heiße Glasbrocken durch das Zimmer. Die landen dann irgendwo und hinterlassen Brandlöcher *aua*. Ihr müsst jetzt nicht denken, die fliegen halt nur aufs Parkett… nein, die bleiben auch in der Haut stecken. Wenn man Glück hat, dann nur auf der neuen Hose und nicht im Gesicht ;o). Weil das tut echt weh. Außerdem verbrennt man sich auch mal die Pfoten, wenn man denkt, man müsse einen heißen Glasstab anfassen oder eine Perle retten, die samt Dorn aus dem heißen Ofen rutscht. Das tut noch mehr weh. Du machst Perlen selber? Wie funktioniert denn das?Zum Perlenmachen benutze ich einen sogenannten Zweigasbrenner. Dieser funktioniert mit normalem Propangas (Campinggas). Als Brandbeschleuniger verwende ich Sauerstoff aus einem Sauerstoffkonzentrator (medizinisches Gerät). Die Flamme ist ziemlich heiß, ich glaube um die 1.000 °C oder sogar noch mehr. Bei 1000 °C gleicht die Konsistenz von Glas der von Sirup, und bei 800 - 900 °C wird die Masse zäh und dick wie Honig. Bei 500 - 600 °C beginnt das Glas zu erstarren und wird fest. In der kurzen Zeitspanne zwischen flüssiger und fester Form kann ich das Glas formen. Beim Perlenmachen ist es ganz wichtig, dass die Perle nicht zu kalt wird. Wenn ich vor meinem Brenner sitze und die Perle zu lange aus dem Feuer nehme, dann kühlt sie ab. Wenn sie zu arg abgekühlt ist, und ich dann wieder mit ihr in die Flamme gehe, kann es sein, dass die Perle in 1000 Stücke zerplatzt (und die heißen Glassplitter einem um die Ohren fliegen). Drachen sind zum Beispiel sehr schwer zu machen. Um ihm Krallen zu machen, muss ich meine Brennerflamme ganz klein stellen, damit ich die Zehen mit einem Glasfaden (halb so dick wie eine Spaghetti) malen kann. Während dieser Zeit kühlt die übrige Perle ab. Ich muss also nach jedem Drachenfuß ;o) wieder die Flamme groß machen und erst mal wieder die ganze Perle erwärmen (und aufpassen, dass mir dabei nichts einschmilzt, das geht nämlich auch ganz schnell). Das mache ich dann bei den Füßen, bei den Rückenschuppen, bei den Flügeln, den Augen, den Öhrchen… Es ist nicht so einfach, die Drachenperle richtig gleichmäßig warm zu halten, man braucht schon viel Geduld dazu. Aber was soll ich machen, wenn er schon Augen hat und mich anguckt ;o)? Wenn meine Perle fertig ist, muss sie ganz ganz langsam abkühlen, ansonsten bekommt sie innere Spannungen, denn die Perle kühlt ja außen schneller ab als innen. (Glas ist ein komplizierter Werkstoff ;o). Wenn ich eine normale runde Perle einfach neben den Brenner legen würde, würde sie in 2 Teile zerspringen. Es gibt die Möglichkeit, die Perle in Vermiculite abzukühlen. Das ist so ein Gestein (klein zerbröselt), das die Wärme gut leitet. Wenn ich auf Märkte gehe, habe ich beim Vorführen einen Fonduetopf mit heißem Vermiculite dabei, und ich stecke die fertigen Perlen da rein. Dann werden sie ganz langsam abgekühlt, wenn ich abends den Stecker ziehe. Zu hause habe ich einen Ofen, der ist auf 520 °C geheizt. Wenn ich Perlen gemacht hab, steck ich sie direkt in den Ofen. Wenn ich mit allem fertig bin, dann tempert der Ofen die Perlen, in dem er die 520 °C eine Stunde lang hält, dann auf 460 °C abkühlt, das wieder eine Stunde lang hält usw., bis nach 8 - 10 Stunden die Perlen fertig sind. Damit sind sie spannungsfrei. Man kann Perlen auch nachträglich noch in den kalten Ofen geben (mache ich dann nach meinen Märkten), dann wird er ganz langsam aufgeheizt und dann das Abkühlprogramm gestartet. Dann werden sie auch spannungsfrei. Wenn man Perlen im Vermiculite abkühlt, kann es sein, dass die eines Tages einfach zerbrochen im Schmuckkästchen liegen, ganz ohne zutun. Eine Perlenfreundin von mir hat Froschperlen gemacht und auf dem Weihnachtsmarkt sind ihr bei den ganzen Perlen die Froschbeinchen abgeplatzt – weil es so kalt war und die inneren Spannungen sich gelöst haben. Das passiert mit ofengetemperten Perlen nicht (meine Froschschenkel haben es überlebt ;o). Das blöde ist, als Kunde sieht man das nicht, wie die abgekühlt wurden. Und die wenigsten wissen das. Warum hat dann nicht jeder einen Ofen? Weil er sehr teuer ist, der kostet 900 Euro. Es gibt auch Glasbläser, ab und zu auf Weihnachtsmärkten, die haben anderes Glas, das muss noch viel heißer verarbeitet werden als das, was Perlenmacher haben, das ist beim Abkühlen nicht so empfindlich. So, jetzt hab ich mich aber verbabblt ;o). Aber ich wollte es ausführlich erklären, das rechtfertigt ja dann auch ein bissl die Preise. (Und by the way: Drachenperlen, die nicht im Ofen waren, könnt Ihr getrost vergessen, denn da platzt früher oder später der Schwanz ab – glaubt's mir, das war nämlich der Grund, weshalb ich mir überhaupt einen Ofen angeschafft hab). Ich will das auch können, kann man das lernen? Bei Dir?Grundsätzlich ja. Prinzipiell kann das jeder, der ein bisschen talentiert und geschickt ist. Allerdings ist so eine Werkstatt ziemlich teuer, das muss ich gleich dazusagen. Es gibt relativ preiswerte Anfänger-Sets (ca. 350 Euro glaub ich), aber schnell ist man damit nicht mehr zufrieden und braucht was Besseres, und noch dies und das, Bücher, Kurse, Spezialglas, überhaupt Glas in allen erdenklichen Farben, Blattsilber, Blattgold, diese Presse, jene Presse, mal 'n Ringdorn, am besten gleich mehrere, weil Finger ja unterschiedlich dick sind, noch 'n Ofen, hier noch 'ne Quetschzange, dort noch einen Glasstempel, dickere Dorne, dünnere Dorne, noch ein Spezialwerkzeug und noch eins, tolle Fritten (das sind Glaskrümel), ein bisschen Emaille (natürlich ein ganzes Sortiment, mit einer Farbe kann man ja nix anfangen), ein paar Murrinis zum Ausprobieren – oh Murrinis sind prima, die mach ich doch gleich selber, also her mit der Murrinizange, – dazu noch einen Glasstangenschneider, dann noch Fädelmaterial, Zangen, ein elektrisches Reinigungsgerät, um die Perlenkanäle zu säubern, schließlich steht man immer Stunden und schrubbelt von Hand, Ätzmittel oder einen Tumbler zum Mattieren der Perlen, flüssiges Malgold, Sauerstoffkonzentrator, Feuerlöscher, Absauganlage wegen giftiger Dämpfe, Graphitpaddel, Augenschutz (und noch viiiiiiiieles mehr) … ;o). Es geht in die Tausende (mehrere), das kann ich Euch schon mal verraten ;o). Und vor allen Dingen man braucht Menschen, die immer die Perlen begutachten und einem loben müssen *hihi – danke Ehemann*. So habe ich auch angefangen, ich wollte eine bestimmte Kette haben, dachte mir aber, die sei mir zu teuer und das könne ich ja selber… Für das Geld hätte ich mir viiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiele Ketten kaufen können. Aber ok, macht ja auch Spaß. So eine Kette hab ich übrigens immer noch nicht, obwohl ich sie jetzt mittlerweile auch ganz einfach selber machen könnte. Ich gebe allerdings keine Kurse. Ich kann Euch aber gerne andere Perlenmacher in Eurer Region vermitteln, die Kurse geben. Warum gebe ich keine Kurse? – Ganz einfach: erstens ist unser Haus (= Baustelle) nicht dafür geeignet, zweitens ist mir das zu gefährlich. Mein Brenner ist mir hoch und heilig ;o) |